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Begegnung in drei Akten

Meinen Mann und mich verbinden 26 Ehejahre, vier eigene Kinder und eine gemeinsame Berufsbezeichnung: Lehrer bzw. Lehrerin.

Doch die Welt, die er um acht Uhr morgens betritt, ist eine gänzlich andere als die, in die ich bei meiner Arbeit eintauche. Das konnten die zehn Schülerinnen vom BORG (Wahlpflichtfach Psychologie und Philosophie), die unsere SCHULE AM INN gemeinsam mit Prof. Klaus Machajdik, meinem Mann, besuchten, schnell erkennen. Die Begrüßungsworte von Herrn Direktor Wolfgang Rieser wurden bald unterbrochen - durch die Umarmung eines seiner Schüler.

Stolz zeigten wir den Gästen unsere blitzneue Schule. Wir: das ist eine Nachmittagsgruppe bestehend aus drei Schülerinnen und drei Schülern unterschiedlichen Alters, einer Schulhelferin, einem Lehrer und einer Lehrerin. Unser Schwerpunkt liegt ein Mal pro Woche auf Stadtspaziergängen. In diesem Rahmen ist das Projekt der interschulischen Begegnung entstanden. Nach dem Rundgang setzten wir uns gemeinsam in die Schulküche zu Muffins und Punsch; es war Advent, der 4. Dezember. Zum Abschied gab es neben der Gegeneinladung Schoko - Nikoläuse von den Besucherinnen.

Dieser persönlichen Begegnung voraus ging eine Informationsstunde, bei der ich den BORG - Schülerinnen einiges über geistig behinderte Menschen und die SCHULE AM INN erzählte. Ich hatte den Eindruck, dass meine ZuhörerInnen das Faktenwissen höflich an sich vorbeiziehen ließen nach dem Motto: was nicht geprüft wird, das kannst du vergessen. Aber sobald es um das Menschliche ging, um Alltagsbewältigung, Lebensläufe und Schicksale, hörten sie gebannt zu. Das Glück? Glücklich ist, wer in liebevollen, gelingenden Beziehungen lebt, da sind wir Menschen alle gleich.

Da die beiden Schulen geographisch nur eine Viertelstunde Fußweg voneinander entfernt sind, konnte unser Gegenbesuch am BORG am 15. Jänner unkompliziert stattfinden. Herr Würfel, der Schulwart geleitete uns freundlich zum Lift, denn eine Schülerin sitzt im Rollstuhl. Professor Fally und seine Musikgruppe erfreute (und das ist wörtlich zu nehmen!) uns mit zwei flotten Musikstücken. Danach gab es auch hier Muffins und Saft. Ein gemeinsames Mahl ist einfach schön und schafft Verbindung. Einer unserer Schüler wollte allerdings lieber den Computerraum gezeigt bekommen, so entstand ein bisschen Kommunikation zwischen Jugendlichen, ohne Erwachsene.

Natürlich ist nicht alles glatt abgelaufen, das soll nicht verschwiegen werden. Eine unserer Schülerinnen legt sich in ungewohnten Situationen gerne quer; das tat sie auch im wahrsten Sinn des Wortes vor dem Schultor und vor dem Festsaal. Unser jüngster Schüler schlüpfte nach zwei Muffins und zwei Gläsern Saft in den Anorak, winkte kurz "tschüss!" und wollte schleunigst gehen. Nur mit Mühe war er noch zum Bleiben zu bewegen.

Die Wahlpflichtgruppe des BORG schaute sich später die DVD von Sonja Christine Wechselberger "Die lachenden Schuhe" an. Darin zeigen Erwachsene mit Down - Syndrom, wie sie leben, arbeiten und ihren Hobbies nachgehen. Es ist ein fröhlicher Film, der gleichzeitig nachdenklich macht.

Nun ist das gemeinsame Projekt beendet. Unser Ziel war es, einen Einblick in die (Schul) - Welt der jeweils anderen zu vermitteln. Ich glaube, dass es für alle eine Bereicherung war und hoffe, dass das nicht das Ende, sondern erst der Anfang von Begegnungen zwischen beiden Schulen war.

Es braucht Mut, mit Menschen zu kommunizieren, die so unverstellt, spontan und emotional sind. Wir danken der Wahlpflichtgruppe Psychologie und Philosophie für ihre Offenheit und ihre Zusammenarbeit und wünschen viel Glück für die Maturaprüfungen und fürs weitere Leben.

Gerti Machajdik